Schulbücher und neue Medien

Das gedruckte Schulbuch – Klassiker oder Auslaufmodell? Seit Jahren ist  die Diskussion im Gange, ob das Schulbuch weiterhin Daseinsberechtigung hat oder  den elektronischen Medien Platz machen muss/ sollte. Tatsache ist, dass bis heute in den deutsch- und mehrsprachigen Kantonen der Schweiz gedruckte Lehrmittel für den obligatorischen Schulunterricht – obligatorisch oder alternativ-obligatorisch – vorgeschrieben werden. Diese haben allerdings zunehmend neue Formen angenommen und präsentieren sich in der Regel als mehr oder weniger reüssiert vernetzte “Multi-Media-Pakete” .

Anfang der 90er Jahren des letzten Jahrhunderts konstatierte der französische Schulbuchforscher Alain Choppin, dass das Schulbuch “bis vor kurzem noch bevorzugter Träger pädagogischer Inhalte, […] heute mit anderen Trägern (Zeitschriften, Fernsehen, Kino, Comics) konkurrieren [muß], die alle dieses gemeinsam haben, daß sie Bilder zeigen und durch Farben verführen”. Daraus schloss Choppin, dass “das Schulbuch […] den neuen Generationen nicht mehr allein Wissen vermitteln, […] [sondern] auch gefallen [soll]”. Mittlerweile wird der Vorteil der Konkurrenzmedien des Schulbuchs nicht mehr nur auf deren attraktive Gestaltung reduziert und vielmehr die neuen didaktischen Möglichkeiten, die sie mit sich bringen, in den Vordergrund gerückt. Werner Wiater stellte in diesem Zusammenhang fest, dass “die neuen Informations- und Kommunikationsmedien, wie Computersoftware, Internet und Intranet, [das Schulbuch] in Legitimationszwänge gebracht [haben]” und prognostizierte für die Zukunft eine verstärkte Tendenz zur Symbiose, zu einem “Medienmix, […]wobei das Schulbuch (in veränderter Form und reduziert auf das Basiswissen in einem Fach) das Leitmedium darstellen könnte”.  Eine Durchsicht  der aktuell verwendeten Schulbücher dürfte  seine Prognose bestätigen:  Es gibt wohl kein Schulbuch mehr, das ohne Zusatzangebote auf dem Netz oder beigelegter CD-ROM auskommt – ohne jedoch den Leitcharakter verloren zu haben. Diese Entwicklungen bringen aber auch neue Qualitätsansprüche – wie eine sinnvolle Auswahl und Gewichtung der einzelnen Medien und deren Vernetzung im Verbund – mit sich, denen es zu genügen gilt, soll das “Multi-Media-Paket” in der Unterrichtspraxis bestehen.

Folgende Tagungen bieten in nächster Zeit Diskussionplattformen zu dieser Thematik:

Quellen:
Choppin, Alain 1992: Aspekte der Illustration und Konzeption von Schulbüchern. In: K. Peter Fritzsche (Hg.): Schulbücher auf dem Prüfstand. Frankfurt, 137-150.
Wiater, Werner (Hg.) 2003: Schulbuchforschung in Europa – Bestandesaufnahme und Zukunftsperspektive. Bad Heilbrunn.

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