Gedruckte Schulbücher oder digitale Medien? Beides!

An der diesjährigen Tagung der Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung diskutierten Fachleute aus unterschiedlichen Diszplinen das zurzeit hoch aktuelle Thema Digitale Bildungsmedien. Während drei Tagen beleuchteten sie das Spannungsfeld zwischen Technik und Didaktik aus verschiedenen Blickwinkeln – das Fazit: ein ergänzendes Miteinander anstelle der Verdrängung des gedruckten Schulbuches wird in Zukunft die Herausforderung von Lehrmittelproduzenten und Lehrern sein.

Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren in Bezug auf den Umgang mit Medien stark verändert, indem Digitalität Einzug in alle möglichen Lebensbereiche genommen hat, wie es Zahlen aktueller Studien zur Mediennutzung und dem Besitz mobiler sowie allgemein technischer Endgeräte eindrücklich beweisen: Heutzutage ist jeder Haushalt, jedes Kinderzimmer eine Medienzentrale (vgl. JAMES-Studie, www.psychologie.zhaw.ch/JAMES).  Von vielen Seiten wird aus diesem Grunde gefordert, die Schule bzw. die Bildung allgemein dürfe die Augen vor dieser Realität nicht verschliessen und müsse digitale Medien entsprechend in den Lehr-und Lernprozess integrieren. Die Diskussionen in Ichenhausen haben jedoch gezeigt, dass Entscheidungen zugunsten der vordergründig nur Vorteile bringenden neuen Medien ein vorschneller Entschluss wären, zumal bisher noch kaum empirische Ergebnisse zu den Lerneffekten vorliegen. Es wurde zudem betont, dass Medienformate im Unterricht nicht 1:1 übernommen werden können und jeweils die Frage des didaktischen Mehrwertes zu stellen sei – ein solcher sei nicht vorhanden, wenn gerduckte Vorlagen im PDF-Format auf mobilen Endgeräten zugänglich gemacht würden. Dies ist bei aktuellen Angeboten (vgl. u.a. das Projekt Digitale Schulbücher) momentan jedoch der Fall.

Infrastrukturen in den Schulen lassen noch zu wünschen übrig

Allerdings haben Schulbuchverlage auch allen Grund vorerst von einer ausschliesslichen Entwicklung digitaler Lehrmittelkonzepte abzusehen, denn noch sind nur ein kleiner Teil der Schulen (8% der Schulen Deutschland besitzen ein Witheboard, in Estland: 15%; noch schlechter sieht es für den 1:1 Unterricht aus – 1 Gerät pro Schüler) technisch entsprechend ausgerüstet, um solche Angebote auch sinnvoll nützen zu können. In der Schweiz kommt die Tatsache hinzu, dass keinerlei Interesse vorliegt, die Verlagsindustrie zum Erlahmen zu bringen.

Der Medienverbund rückt ins Zentrum des Interessens

Ganz ausgeschlossen werden sollen digitale Lernmedien jedoch sinnvollerweise nicht, weswegen in Zukunft der (erweiterte) Medienverbund zunehmend im Mittelpunkt des Interessens stehen wird. Für die Lehrmittelproduzenten bedeutet dies, Lehrmittelkonzepte zu entwickeln, in denen die einzelnen Trägermedien funktionell sinnvoll eingesetzt und miteinander vernetzt werden, sodass eine effiziente Umsetzung im Unterricht möglich wird. Dem klassischen Schulbuch könnte dabei die Funktion des Leitmediums mit Orientierungsfunktion zukommen. Von der Schulbuchforschung und den angrenzenden Disziplinen müssen nun die Grundlagen für die Entwicklung solcher Konzepte geschaffen werden, d.h. dass einerseits anhand von empirischen Studien Ergebnisse betreffend der Lerneffekte beim Einsatz von einzelnen Medien und ihrem Zusammenspiel in bestimmten Lernkontexten geliefert und andererseits die Vernetzung und damit auch die Orientierung im Medienverbund beschrieben werden.

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.

Sorry, no posts matched your criteria.