Apple mischt den Lehrmittelmarkt auf

40 Millionen Ipads konnte Apple gemäss den letzten Zahlen vom vergangenen Herbst bereits verkaufen. Nun will der Konzern zu weiteren Höheflügen ansetzen, indem er sich auf einen neuen Markt wagt, den Schulbuchmarkt.

Im Rahmen einer Veranstaltung stellte Apple am 19. Januar im New Yorker Guggenheim-Museum sein neuestes Produkt vor: iBooks 2, eine Softwareapplikation, die eine Plattform für digitale Lehrbücher werden soll. Für zukünftige Autoren von digitalen Lehrbüchern wird zudem die kostenlose Software iBooks Authors verfügbar sein. Vorteil der neuen Schulbücher – nebst der leichteren Schultasche – dürfte die integrierte Multimedialtät sein; so können den Lernenden problemlos Videos und dreidimensionale Grafiken zur Verfügung gestellt werden. Zudem wird es dem Schüler möglich sein, Inhalte für das eigene Studium in Form von Lernkarten direkt aus dem Buch zu exzerpieren.

Apple wird das Herstellen von Lehrbüchern aber nicht nur unabhängigen Autoren überlassen, sondern arbeitet (bereits jetzt schon) mit bekannten amerikanischen Lehrmittelverlagen zusammen, deren Bücher in neuen Formaten herausgegeben werden sollen und mit denen sie auch noch weitere Titel planen. Inwiefern es dem iPad dadurch gelingen wird den Lehrmittelmarkt aufzumischen, bleibt abzuwarten.

Quelle: www.faz.net (19.01.2012)

Kompromisslösung in Graubünden nun offiziell

Mit 63 : 37 Stimmen sprach sich der Grosse Rat am letzten Donnerstag in einer geheimen Abstimmung für die Koexistenz von Rumantsch Grischun und den lokalen Idiomen in den Bündner Schulen aus. Lehrmittel dürfen damit in Zukunft wieder in allen Idiomen gedruckt werden.

Nun ist es offiziell: der im Jahre 2003 im Rahmen von Sparmassnahmen gefallene Entscheid, Lehrmittel ab 2005 nur noch in der Schriftsprache Rumantsch  Grischun zu drucken, wird rückgängig gemacht. Damit geht eine 8-jährige, emotionsgeladene Diskussion zu Ende, in der letztendlich der Druck der Basis zu gross wurde und die Regierung in Absprache mit der rätomanischen Dachorganisation Lia Rumantscha umschwenkte und dem Parlament den Kompromissvorschlag beantragte. Federführend im ganzen Prozess über all die Jahre waren “Pro Idioms”, die von Beginn weg gegen den 2003 gefällten Parlamentsbeschluss protestierten und Unterschriften für die Wiedereinführung der Idiome sammelten. Sie haben nun ihr Ziel zu einem grossen Teil erreicht: neue Lehrmittel für die verschiedenen Idiomen. Dabei geht es laut Regierungsrat Martin Jäger darum, den romanischen Gemeinden, die nicht mit Rumantsch-Grischun-Lehrmitteln arbeiten (rund zwei Drittel), qualitativ gute Lehrmittel bereitzustellen. Es sei aber nicht vorgesehen, die Lehrmittel in allen Idiomen zu drucken. Damit dürften wohl auch die Gegner des Beschlusses, die die auftretenden Mehrkosten bemängelten, zumindest teilweise beruhigt sein.

Quelle: http://www.suedostschweiz.ch

“Lesen lernen … mehrsprachig!” – Ausstellung in Brixen

Fibel in Kihnu-Estnisch, 2009; Künstlerische Gestaltung: Uno Roosvalt

Im Rahmen der diesjährigen Tagung der Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung widmeten sich Schulbuchforscher aus verschiedenen Ländern im dreisprachigen Südtirol dem Thema ‘Mehrsprachigkeit und Schulbuch’. Neben interessanten Vorträgen und Diskussionen zu vielfältigen Aspekten von Mehrsprachigkeit im Schulbuch, bot die Tagung auch eine extra für diesen Anlass organisierte Ausstellung von Leselernbüchern zum mehrsprachigen Schrifterwerb aus Europa und Amerika. Auf Anfrage der gastbietenden Freien Universität in Brixen/ Bressanone wird diese noch bis Ende des Monats zu sehen sein.

Lesen und Schreiben lernen in mehr als einer Sprache? Die Frage nach der Rolle von Herkunfts-, Regional- und Minderheitensprachen im schulischen Anfangsunterricht ist brisant im Zeitalter zunehmender globaler Mobilität und multikultureller Verflechtungen. Aber auch schon in früheren Jahrhunderten war sie immer wieder Zündstoff und zugleich Herausforderung für Politiker, Pädagogen und Eltern. Wie wird Schrifterwerb in mehreren Sprachen arrangiert? Wie versucht man, Kinder für Sprachen zu begeistern, die vom Aussterben bedroht sind? Und wie geht man mit unterschiedlichen Idiomen um? Die Geschichte der Unterrichtsmittel zum Lesenlernen in mehreren Sprachen gibt Antworten, die so vielfältig sind wie die Sprachen und die bildungs- und sprachenpolitischen Zielsetzungen.

Die Arbeitsgruppe Fibeln der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung hat dazu eine Ausstellung von Lehr-Lernmitteln zusammengestellt. Sie zeigt Leselernbücher aus Europa und Amerika aus fünf Jahrhunderten, vom mehrsprachigen ABC-Buch aus dem 16. Jahrhundert über Fibeln für europäische Einwanderer in Amerika bis hin zu zweisprachigem Arbeitsmaterial für Kinder kurdischer Herkunft in Deutschland. Auch Fibeln im Kihnu-Estnischen sind zu sehen, einem auf der Ostseeinsel Kihnu gebräuchlichen Idiom, das dort erst vor wenigen Jahren als schulischer Lehrgegenstand eingeführt wurde.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Oktober im Forschungs- und Dokumentationszentrum zur Südtiroler Bildungsgeschichte der Freien Universität Bozen in Brixen/Bressanone zu sehen. Wer die Ausstellung in Brixen nicht besuchen kann, dem gibt der Ausstellungskatalog einen Einblick in die Vielfalt dieser Unterrichtsmittel und ihrer Entstehungs- und Verwendungs-zusammenhänge.

Forschungs- und Dokumentationszentrum: http://www.unibz.it/de/education/research/documentationcentre/default.html

Katalog: http://www.schulbuch-gesellschaft.de/de/rp

Und da warens plötzlich viele …

Wurden Schulbücher früher oft von einzelnen Autoren verfasst, sind heutzutage Lehrmittelproduktionen längst nur noch in Teamarbeit zu bewältigen. Dass dabei auch nach der Fertigstellung des gedruckten Produkts laufend Ergänzungen erstellt werden und Lehrpersonen aktiv an deren Produktion teilnehmen, ist jedoch neu. Mit der Gründung des lehrmittelclubs.ch geht das Schulbuch neue Wege.

Die Heterogenität in den Klassen nimmt ständig zu. Die Einführung der integrierten Förderung und die Abschaffung der Kleinklassen haben diese Tendenz nochmals verstärkt. Lehrpersonen müssen sich der Herausforderung stellen und differenzierten Unterricht anbieten. Ein solcher erfordert jedoch entsprechende Lehrmittel. Wie der Zürcher Lehrmittelverlag feststellt, sind neuere Materialien zwar “bereits hoch differenziert, aber letztlich doch auf die Bandbreite einer durchschnittlichen Regelklasse  ausgerichtet”.

Aus diesem Grunde hat sich der Verlag vor einem Jahr entschlossen, eine Austauschplattform mit Zusatzmaterialien für den binnendifferenzierten Unterricht zur Verfügung zu stellen. Autoren und Autorinnen sind Lehrkräfte, die mit den Schulbüchern des Verlages arbeiten und für ihren Unterricht Zusatzmaterlialien erstellen. Diese können sie hochladen und anderen Lehrern damit die Vorbereitung erleichtern. Der Verlag selbst erstellt ebenfalls Materlialien, die er auf lerhmittelclub.ch zugänglich macht. Ermunterung bzw. eine Art Qualitätssicherung wird dadurch gewährleistet, dass die einzelnen Beiträge bewertet werden können und jedes Jahr ein/e Top1-AutorIn erkoren wird.

Das Konzept hat bisher regen Zulauf erfahren, wie es die auf der Webseite täglich aktualisierten Daten eindrücklich zeigen. Das Wikipedia-Prinzip scheint Eingang in die institutionelle Wissensvermittlung gefunden zu haben.

Quelle: www.lehrmittelclub.ch

2’000’000 mal “Tiptopf”!

Mit rund 2 Millionen ausgelieferten Exemplaren seit diesem September ist das Kochbuch “Tiptopf” das meistverkaufte Schulbuch der Schweiz. Das Geheimrezept zum Erfolg scheinen vorallem die interkantonale Zusammenarbeit und  die über den Schulunterricht hinausreichende Verwendbarkeit zu sein.

In den meisten Schweizer Haushalten ist er zu finden und hilft Jung und Alt seit 25 Jahren feine Menüs auf den Tisch zu zaubern: der “Tiptopf” (frz. “Croqu’menus”). Seit der Erstausgabe von 1986 wurde das Grundlagenwerk  zweimal vollständig überarbeitet, zuletzt 2008. Nebst neuen Menus aus internationaler Küche wurden vorallem Layout, Anschaulichkeit und Verständlichkeit verbessert sowie auf die Kompatibilität mit der Schweizer Lebensmitelpyramide geachtet. Dabei galt es für die Autorinnen sowohl die verschiedenen Lehrpläne als auch die regionalen Traditionen und Eigenheiten der einzelnen Kantone zu berücksichtigen und eine einheitliche Sprache zu finden. Lässt man die Verkaufszahlen für sich sprechen, scheint ihnen dies gelungen zu sein.

Quellen: www.suedostschweiz.ch, www.schulverlag.ch

Englisch-Lehrwerke ihrer Zeit voraus?

Im Kanton Zürich erregen die obligatorischen Englisch-Lehrwerke seit längerem die Gemüter: die Fachleute sind begeistert von First Choice, Explorers und Voices, die den modernsten pädagogischen und didaktischen Ansprüchen genügen und dafür auch internationale Preise gewonnen haben. “Praxisuntauglich” lautet jedoch das Urteil der Lehrer. Deshalb weigern sie sich damit zu arbeiten. Nun schaltet sich die Politik ein.

Im Jahre 2008 starteten die Lehrerverbände ZLV und SekZH eine Lehrmittelumfrage. Das damalige Fazit lautete: “Gute Noten, aber sechs fallen durch”. Unter diesen sechs Lehrwerken befanden sich auch die Englisch-Lehrwerke Explorers (Mittelstfufe) und First Choice (Unterstufe), denen zu hohe Komplexität und Praxisferne (zuviel Aufwand für die Lehrpersonen, zu wenig Übungsmaterial) vorgeworfen wurde.

In der Zwischenzeit hat der Bildungsrat reagiert und die Lehrmittel für die Primarschule überarbeitet. Für den Sekundarschulteil wurden ebenfalls Ergänzungen bestellt. Dies scheint jedoch den Lehrkräften nicht zu genügen, denn die Schulsynode hat dem Bildungsrat anfangs Sommer beantragt, den Verwendungszwang für das Mittelstufenlehrwerk Explorers aufzuheben. Ende Juli hat sich die Mehrheit des Kantonsparlamentes auf die Seite der Lehrer gestellt und erklärte ein Postulat als dringlich.

Nach den Sommerferien wird der Kantonsrat darüber abstimmen. Die alleinige Macht das Lehrmittel abzusetzen liegt jedoch beim Bildungsrat und dieser wird sich dem Thema erst nach dem Druck der nächsten Serien des Lehrmittels im Herbst annehmen. Die Lehrpersonen müssen also weiterhin mit Explorers arbeiten.

Einmal mehr zeigt sich damit, dass Lehrperson und Lehrmittel harmonieren müssen, damit der Unterricht funktioniert. Wer wem angepasst bzw. für wen ausgebildet werden sollte, ist eine heikle Frage. Sicher ist jedoch, dass Lehrmittelproduktion und Lehrerausbildung in Zukunft zusammenarbeiten sollten. Dies bedeutet auch, dass Lehrmittel und der Umgang mit ihnen in der Lehrerausbildung explizit thematisiert werden sollte.

Quelle: Tagesanzeiger (15.08.2011); Dass weiterhin Diskussionsbedarf besteht, zeigen die rund 101 Kommentare, die kurz nach Publikation des Tagesanzeiger-Artikels zum Thema eingingen.

Pro Idioms greift vor und geht unter die Lehrmittelproduzenten

Pünktlich zum Schulanfang steht das obligatorische Mathematik-Lehrmittel für die erste Klasse nun plötzlich auch in den Idiomen Sursilvan, Vallader und Puter zur Verfügung. Der Verein Pro Idioms Surselva und Engiadina hat es auf eigene Faust übersetzt.

Laut dem Gesetzesentwurf für die Volksschulen des Kanton Graubündens, der Ende Juli den Medien präsentiert wurde, soll der Lehrmittelentscheid des Grossen Rates aus dem Jahr 2003 (Lehrmittel nur noch in Romantsch Grischun herauszugeben) aufgehoben werden. Offiziell darüber abstimmen wird das Parlament diesen Herbst. Dies scheint einigen etwas zu langsam vorwärts zu gehen. So beschloss der Verein Pro Idioms, der sich seit dem Lehrmittelentscheid von 2003 für die Erhaltung der Idiome als Alphabetisierungs- und Unterrichtssprachen einsetzt, Nägel mit Köpfen zu machen und übersetzte die Mathematik-Lehrmittel der ersten Klasse in die Idiome Sursilvan, Vallader und Puter. Ermöglicht wurde dieser Schritt, der rund 30’000 Franken kostete, dank der finanziellen Unterstützung vieler grossen Gemeinden wie beispielsweise Zuoz, Zernez, Samedan oder Scuol.

Für den Regierungsrat Martin Jäger kommt diese Aktion nur teilweise überraschend, da Pro Idioms ein solches Vorhaben der Regierung bereits angekündigt hatte. Die Regierung ihrerseits könne bis die Besprechung im Grossen Rat im Herbst stattgefunden habe, noch keine konkreten Aussagen machen.

Nebst der Unklarheit, wie sich das Ganze nun weiterentwickeln wird, ob und welche anderen Lehrmittel noch übersetzt werden (sollen), bleibt die Frage, warum ausgerechnet Mathematiklehrmittel so dringlich in den Idiomen vorhanden sein mussten.

Quellen: Pressemitteilung von Pro Idioms (16.8.2011), www.suedostschweiz.ch (16.8.2011)
Bild: www.proidioms.ch

Lokale Idiome statt Romantsch Grischun

Graubündens Regierung krebst zurück: Der Lehrmittelentscheid des Grossen Rates von 2003, Lehrmittel nur noch in Romantsch Grischun zu publizieren, soll aufgehoben werden.

Ende Juli stellte der Grosse Rat in Chur das neue Schulgesetz vor: eine Totalrevision. Was dabei besonders auffiel, war die Ankündigung, dass die Lehrmittel wieder in den lokalen Idiomen gedruckt werden sollen. Der Erziehungsdirektor Martin Jäger spricht von einer “Mittellösung”, da nur die obligatorischen Lehrmittel in die verschiedenen Idiome übersetzt würden. Dies aber sei notwendig, da viele Gemeinden die Idiome als Schulsprachen gewählt haben und dementsprechend auch Lehrmittel in diesen brauchen. Zudem hofft man mit dieser Massnahme auch den hitzigen Diskussionen rund ums Thema (vgl. TA vom 11.2.11, NZZ vom 11.3.11) ein Ende zu setzen.

Im Oktober wird sich zeigen, ob es im Kanton Graubünden in Zukunft wieder eine grössere Lehrmittelvielfalt geben wird. Das Parlament wird dann darüber abstimmen. Bis dahin ist es den Romanen ein Anliegen gemeinsam an einem Strick zu ziehen. Deshalb planen sie einen runden Tisch.

Quelle: www. suedostschweiz.ch, SF Schweiz aktuell vom 26.7.11

Südkoreanische Schüler werden in Zukunft weniger schleppen müssen!

Die südkoreanische Regierung verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: im Rahmen eines Milliardenprojekts sollen bis 2015 alle Schulbücher digitalisiert werden.

Wie die Zeitung Korea Herald Ende Juni berichtete, werden die Schüler in Südkorea schon bald mit Smartphones und Tablets arbeiten. Bis 2014 ist die Digitalisierung der Schulbücher in der Grundschule geplant, bis 2015 sollen auch alle anderen Schulstufen ihre gedruckten Exemplare ersetzt bekommen. Zudem ist auch eine Erweiterung der Onlinekurse vorgesehen. So werden nicht nur die Schultaschen leichter, sondern können auch Kinder, die krankheitshalber oder aufgrund schwieriger Wetterbedingungen den Unterricht nicht besuchen können, diesem weiterhin folgen. Das erfolgreiche Umsetzen dieser Neuerungen erfordert natürlich eine entsprechende Schulung der Lehrkräfte, mit der man ab 2012 beginnen will.

Nach dem erfolgreichen Abschliessen im “digitalen Lesen” beim Pisa-Test zeigt sich Südkorea damit einmal mehr als fortschrittliche technische Nation.

Bildquelle: geando – Fotolia.com

Mehrsprachigkeit im Schulbuch – Tagung in Bozen

Die 15. Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung ist dem Thema der Mehrsprachigkeit im Schulbuch gewidmet.

Vom 22. bis 24.  September 2011 treffen sich in Bozen/Bolzano Schulbuchforscher verschiedener Nationalitäten um das in der heutigen Gesellschaft aktuelle Thema der Mehrsprachigkeit und speziell der Umgang mit ihm in Lehrmaterialien zu diskutieren und aus verschiedener Perspektiven zu beleuchten. Wie bereits für die vorangegangenen Tagungsthemen konnten auch für dieses Referenten aus unterschiedlichen Fachgebieten und Wissenschaften gewonnen werden. Mit dabei sind dieses Jahr auch Forscher aus der Schweiz (siehe Tagungsprogramm, Abstracts).

Auskünfte und Anmeldung bei Gerda Videsott (Freie Universität Bozen): Gerda.Videsott@unibz.it